1. Gebhard Siefken / Bezahlung der Kirchenstühle / Aurich-Oldendorf

     -   Thematik Kirchenstühle von Gebhard Siefken

     -   Kirchenstühle, Kopien von Original Seitem 1.  2. 3.

     -   Übersetzung

 


 

     Einführung in die Thematik

Kirchenstühle

 

 

 

 

 

Die Sitzplätze in der Kirche waren durchgängig verkauft. Dieser sogenannte Kauf beinhaltete nicht, daß der Kirchenstuhl in das Eigentum des Käufers überging, sondern es wurde nur das Anrecht auf einen bestimmten Sitzplatz in der Kirche gekauft. Diese Sitzplätze konnten auch weiterverkauft, vererbt werden oder gehörten fest zu einem Heerd (Heerd=Bauernhof mit besonderen Rechten), wie aus anderen Urkunden hervorgeht.

 

Wie etwa bei den Bedingungen zum Verkauf des Heerdes des verstorbenen Gerd Lüken Albers zu Aurich-Oldendorf im Jahre 1835.

 

Hier wird unter Hauptpunkt Nr. 26 „als Hauptkorpus das Haus mit den zustehenden Gerechtigkeiten und in Unterpunkten mehrere Äcker und Meedländer, Nutzungsgerechtigkeiten und auch die Hälfte einer Sitzbank in der Kirche genannt, deren andere Hälfte Focke Eschen Focken gehört.“

 

In den weiteren Hauptpunkten Nr. 28 „Drei Sitzstellen in der Krche in einer Bank, deren andere Sitze dem Focke Gerdes Siemens und Consorten gehören.“

 

Hauptpunkt Nr. 29: „Fünf Sitzstellen in einer Bank, deren sechste Stelle dem Focke Gerdes Lüken gehört.“ Hauptpunkt 30: „Ein Drittel einer Frauen=Kirchenbank.“ = 3 Sitzplätze

 

Wie hieraus hervorgeht saßen Männer und Frauen getrennt in der Kirche. Es gab die sogenannten Männer- und Frauenbänke.

 

Die besten Plätze befanden sich im Besitz der Herdbesitzer, danach kamen die Warfsleute und Handwerker. Die ärmere Bevölkerung (Arbeiter, Knechte und Mägde) hatten keinen festen Sitzplatz und mußten stehen, wenn nicht irgendwo ein Platz frei war.

 

Das Ganze wurde in einer Kirchstuhlordnung geregelt, wo auch die Besitzer der einzelnen Sitzplätze aufgeführt wurden.

 

1770 wurden in der Aurich-Oldendorfer Kirche neue Kirchenstühle (Bänke) gegen der zuge- mauerten Norderkirchentür angeschafft. Es müssen mindestens 3 Bänke gewesen sein.

 

Ein Kirchenstuhl hatte 6 Sitzplätze.

 

Durch die Zunahme der Gemeindmitglieder wegen der Kultivierung der umliegenden Moor- und Heidflächen (Moorlage, Großefehn östlicher Teil) wurden auch mehr Sitzplätze in der Kirche erforderlich.

 

Diese Sitzplätze wurden am 4. Mai 1770 in einer öffentlichen Versammlung im Krughaus versteigert.

 

Aus einem alten Dokument aus dem Jahre 1820 geht hervor, das Roelf Albers die Kaufsumme für die von seinem Vater gekauften Kirchensitze bezahlen will.

 

Sein Vater Albert Jürgens hatte dem Kirchenstuhl zwei Sitzplätze gekauft. Da er scheinbar kein Geld hatte, war der Kaufpreis bei der Kirchekasse zu jährlich 5% zu verzinsen. Diese Zinsen zu 22 ½ Stüber wurden Jährlich an die Kirchenkasse bezahlt.

 

Nach 50 Jahren, von 1770 bis 1820, waren somit 1125 Stüber = 56 Gulden 25 Stüber an Zinsen bezahlt worden.

 

Das Geld aus dem Verkauf der Kirchensitzplätze diente mit zu Unterhalt der Kirche.

 

 

Originalcontracte

Übersetzung

Kauf-Contract.

 

Wir endes unterschriebene Evert Oltmanns und

 

Rolf Alberts, haben im Namen Gottes nachstehenden

 

Kauf unter uns beschlossen, und darüber folgenden Con-

 

tract gemacht.

 

 

Evert Oltmanns als Verkäufer überläßt verkäuflich an

 

Rolf Alberts als Käufer, eine von seinen beiden Kirchen_

 

Sitzstellen, auf dem Orgelboden hierselbst; welche er

 

zur Zeit des öffentlichen Verkaufs, gemeinschaftlich mit dem

 

Hausmann Gerd Lüken Janssen und ??? Janssen

 

Rencken gekauft hat, für den Kauf zu 14 Rthlr.

 

Courant; schreibe Vierzehn Reichsthaler in Golde.

 

Gedachte Sitzstelle ist befindlich in die zweite

 

Bank nordseits, welche obengedachte Verkäufer Evert

 

Oltmanns an Rolf Alberts jetzo für 14 Rthlr.

 

Cour. erb-und eigenthümlich übergetragen hat; so das

 

Rolf Alberts die völlige Possession und Eigenthums-Recht

 

dieser gekauften Sitzstelle, sogleich bei Auszahlung des

 

Kaufpreises zu 14 Rthl. Cour. antritt. Wobei alle

 

Rechts-Ausflüchte und Freiheiten denselben gänzlich ent-

 

saget werden.

 

Seite 2

 

Evert Oltmanns ist damit zufrieden, wenn Rolf

 

Alberts bei ?? Prediger Holz ersucht, diese Sitz-

 

Stelle nunmehr auf seinen Namen im Kirchen-Protokoll

 

gefälligst umzuschreiben.

 

Zur Beurkundung ist gegenwärtiger Kauf-Contract

 

Beiderseits eigenhändig unterschrieben.

 

Aurich-Oldendorf den 8ten Mai 1799

 

 

 

Evert Oltmanns

 

Rolf Alberts

 

 

 

Obenstehende Vierzehn Reischsthaler sind mir dato

 

von Rolf Alberts richtig bezahlt den 8.Mai

 

  1. Evert Oltmanns.

 

A.J.Fuhrken

 

Als Schreiber und Zeuge.

 

 

 

Die Umschreibung der vorstehnden Sitz-Stelle auf Rolf Albers ist im Protocoll der Kirchen-

 

Bänke des neuen Orgel-Bodens pag. 140. 5. bemerkt worden.

 

 

 

A-Oldendorf d. 8 May 1799 Holtz

 

 

 

Transkribiert von Gebhard Siefken, Fehnmuseum Eiland