Unser Fehn und Diverses

1. Unser Fehn - Aufsatz eine 10 jährigen Fehntjerin

2. Aaltjes Brief an ihrer Freundin an einem verregneten Mittwoch

 

1. Unser Fehn!

Schulaufsatz eines 10-jährigen Mädchens.

 

Großefehn heißt Großefehn, weil es so lang ist. Eigentlich müßte

es Langefehn heißen, aber dann wäre es nicht so groß. Die Häuser

stehen links und rechts am Wasser. Darin wohnen die Fehntjer.

Einige stehen mit dem Hintern nach vorne. Einige mit dem Vorder-

ende nach hinten, was einen lockeren Eindruck auf die Landschaft

macht.

 

Das langgezogene Wasser wird auch Kanal genannt. Daran sitzen am

Abend die Männer, wenn der Kanal voll ist. Der Kanal ist sehr

breit und unten am tiefsten.

 

Unten im Kanal befinden sich viele Fische, alte Dosen und Eisen-

kram, welches verboten ist, weil die Schiffer Angst haben, daß

ihnen die Schraube losgeht. Vor hundert Jahren wurde der Kanal

gegraben. Damals war noch alles Moor. Die Einwohner ernährten

sich von Torf, welches naß ist. Früher hatte Großefehn noch 10

schöne Windmühlen. Daher der Name "Fehntjer Wind". Heute haben

wir noch zwei. Damit wird aber heute mehr Wind gemacht als

früher mit zehn.

 

Auch hatten wir früher 4 Werften. Auf einer Werft wurden sogar

seefeste Schiffe gebaut, welche aber alle untergingen, weil man

unten im Schiff das Loch vergessen hatte und das Wasser was oben

hineinlief unten nicht wieder heraus konnte.

 

Die Kapitäne sind alle mit ertrunken. Damals hatte Großefehn

mehr Wittwen wie Einwohner.

 

Erst haben sie viel geweint, aber nachher vermehrten sie sich

rasch wieder .

 

Wie das Moped erfunden wurde, wurde unser Fehn auch für den

Verkehr erschlossen. Die Verhältnisse wurden immer lebhafter,

so daß manchem Schiffer der Boden zu heiß unter den Füßen wurde

und in den Rhein schiffte.

 

Wenn sie alle vier Wochen nach Hause kommen, müssen sie den

Garten graben und den Motor nachsehen ob er noch funktioniert.

 

Neben der Landwirtschaft betreiben die Einwohner von Großefehn

noch Handel und Gewerbe auf Gegenseitigkeit. Was der eine kauft,

muß der andere bezahlen.

 

Großefehn hat 6 große Schulen. Sie stehen soweit auseinander,

daß die Kinder gar nicht mehr wissen, welche am nächsten ist.

 

Mitten auf dem Fehn steht die Kulturhalle, wo sich die Kinder

baden, welche zu Hause keine Seife haben. Man kann dort auch

turnen, aber das ist zu anstrengend und gehn die Kinder welche

bald groß sind lieber ins Kino, das einen Notausgang hat, - wenn

es vorne zu heiß wird und man hinten wohin kann.

 

Dort singt auch der Männergesangverein. Mein Vati geht da auch

hin. Weil er zu Hause den Mund nicht auftun darf.

 

Dann haben wir noch 3 Ärzte mit eigenem Auto und 4 Friedhöfe.

Auch ein Erziehungsheim haben wir; da werden die Kinder erzogen,

deren Eltern unartig waren. .

Die Kinder im Heim werden zum Viehfüttern und Feuer anmachen

verwendet. Dann haben wir noch ein Altersheim. Die haben jetzt

Radio und Fernsehen bekommen, damit ihnen das Sterben nicht so

schwer wird. Großefehn hat 3 Bürgermeister, welche alle an der

Feuchtigkeit leiden und das Wasser nicht loswerden können und

den Einwohnern schon bis an den Halse steht. -weil das Wasser- _

wirtschaftsamt das Ventil nicht aus der Hand gibt und den Hahn

nicht öffnet damit es wegläuft.

 

Wir freuen uns alle auf den Sommer und die Ferien. Dann verrei-

sen wir 4 Wochen zum Rhein, damit wir mal eine kleine Zeit aus

dem Sumpfloch Großefehn herauskommen.

 

 

 

 

2. Aaltjes Breef

 

Egentlik harr Aaltje in d' Tuun wullt, man dor kunnst vandaag nix worrn, dat harr ja nett vör Middag noch naar gaten, bi Emmers vull was dat runnerkamen. Un denn was dat je wär Middwäk, un Aaltje wuß neet recht wat mit sück antofangen. Anners was elker Middwäk, de Gott gaff, hör Süster Dini äben 'raverkamen. Dat was alltied 'n baldadig moij Spill west, umdat se sück bi 'n good Fatt Tee un Kookjes all's vertellt harrn, wat 't Nees gaff. Man nu wahn Dini in Ollnbörg, un dat was heel wiet weg van hier. Aaltje harr sietdem nüms mähr, wor se rechtschapen mit prooten kunn: De Nabersfrolü kunnst je ook neet alls vertelln, dat was nett genug, wenn dor "Moin" an seggen deest, am Enn' noch 'n paar Woorden aver Tuun un Wär, mähr joneet. Un mit Nabersfrolü dörnanner loopen, dor hull Aaltje heel un dall nix van, dor kwamm meesttieds doch bloot Schäl un Quads bi 'rut.

 

"Wat 'n düvelse Schiet ook, dat Dini heel na Ollnbörg trucken is," sä Aaltje so vör sück hen, "ick harr so vööl mit hör to prooten." Man denn schoot hör in d' Sinn, dat se Dini egentlik je woll 'n Breef schrieven kunn, wenn dat ook 'n stuur Stück was. "Tied hebb ick je woll", doch Aaltje. Se söch' sück glieks Pepier, Pentje un Kuwert binanner un fung denn trankiel an to schriewen:

 

"Mein lieben Dini! Wie geht Dich das? Mein Jann un ich sind sund un munter, wollen beste auch von Dich hoffen. Hier rägent das von Tage, das es man so gütt. Nach rechtswegen muß ich nödig die eerst grön Bohntjes aufreißen un in Glas machen. Man bei dies Regen kannst in die Tuune nich sein, geht Dich je gleich durch die Kleider. Is ja kein Wär aufstund, Wasser steht in die Göten. Wenn das weiter so will, werden Kartoffels all rötterg. Man Wär kannst nich zwingen. Um das Du nich bei mich kommen kannst, bin ich sitzen gegangen zu schreiben. Gestern war ich ganze Tag bei mein Tochter Kea, die hatte soviel kaputte Plünnen. Ich hatte den heelen Dag Halswark zu flicken, mag woll zwanzig Paar Socken gestoppt haben. Die jungen Frauleuts können je nich mehr mit Nadel un Draht klar werden. Eerst mußte Kea mich ihre neuen Kamermöbels weisen, haben sie annerlessens gekriggt. Is mit zwei Sofas un viel holten Armlehnen. Kea sagt, is ganz modern, is "russischkahl" of so. Mag leev Gott wissen, wie das heißen tut. Un war lang nich billig! Nu is Kea schreckelk sünig mit Essen un Trinken. Das Tee war man reinweg Babbelwasser mit 'n ganz klein Ihmelke Klumpke in. Un middags gab es bloß so ein Schlubbersorpe mit garkein Speck of Fleischk. Für die beiden Kinners hatte ich eine dicke ..."

 

Aaltje haal een hooge Sücht un doch scharp na. "Haal mi doch de Decksel", doch se, "wo heet 'Mählpüt' woll up düts?" Brör Jakob harr mal seggt: "Mählpüt, dat heet up düts Malepaltus." Man Jakob was 'n Malljager un rödelt sück vööl torecht, dor kannst nix up an. Un 'Malepaltus' was ook je so 'n stuur Woort, well sull weeten, wo dat schräven wurr. "Laat Schiet rieten, ick schriev Mählpüt", doch Aaltje, "Dini sall der woll dör finnen."

 

So, nu kunn 't wiedergahn. War was se ook noch? Och so:

 

"... eine dicke Mählpüt bei mich. Das mögen die Kinners gern un sie eeten as de Wulfen, kriegen ihr Leib woll nich voll, die arm' Schepsels, umdas Kea nu die neuen Möbels beschmachten muß. Aber anners sind die Kinners man Undögen. Der Fent is erbarmlich diesig un sagt malle Wörter gegen sein Mama, un dat Wicht tut nix als prulen, will nich umliek. Is kein Regel of Recht in! Bei die Kinners wirst rar, die müssen nödig was vor die Achterennen haben. Man da halten die Eltern nu ja nix mehr von, un denn is das kein Wunner. Kea hat ihr schönes Hund auch weggetan. Is so spiedlich um die treue Tier. Man auf Keas neue Matten darf nicht Hund, umdas ihn haart.
Liebe Dini, nu muß ich auf Hand aufhalten mit das schreiben. Mein Jann kommt gleich und denn will ihm Tee haben. Halt Dich munter. lieben Dini. Grüß Dein Kerl ehm, un laß Dir mal hören. Mein Teekädel kocht.
Kumpelment un Gottbefohlen.
Dein Aaltje."

 

"Gott dank, dat ick dat fermät hebb", doch Aaltje. De kolle Sweet stunn hör vör d' Kopp, un de Nack harr se stief. Een Breef schrieven, dat was doch man 'n stuur Stück. Jasses nä, dor worrst rein ramdösig van.

 

Süh, dor was Jann, hör Kerl, ook all.

 

Jann kwamm in d' Köken schluurn un reep: "Moin, Moder!" un denn sä he: "Wo kickst Du denn ut? Wat hest utfräten? Hest je 'n Kopp as'n Rotkohl un de Hannen trillern Di!"

 

"Jann", schwög Aaltje, "ick hebb Dini 'n Breef schräven, umdat se so wiet weg is."

 

"Och, wi arme Minschen", sä Jann, "schräven hest Du? Dat is stuurder as Törfgraben of 'n Acker Runkels utmaaken. Du arm Bloot, büst säker nix mähr wärt?"

 

"So is 't", sä Aaltje, "de Kopp kellt mi un de Hannen staant mi verdreiht. Ick dank Gott, dat ick dat neet all Dag' mutt, 'n Breef schrieven."